Ein Seestern und das Meer der Möglichkeiten

Ein Seestern und das Meer der Möglichkeiten

Hast du schon mal über Seesterne nachgedacht?

Nein? Kein Problem, dann lies doch mal die folgende Geschichte, die dich vielleicht auch zum Seestern-Fan werden lässt 😉

Corey öffnet mit einem Knarzen die Tür seines kleinen Holzhauses. Das Dach des Hauses ist mit getrockneten Palmblättern bedeckt. Auf der Veranda steht ein Schaukelstuhl mit vergilbtem Sitzpolster. Lilly, seine schwarz-weiß gefleckte Katze hat es sich gerade hier gemütlich gemacht und genießt mit geschlossenen Augen die ersten Sonnenstrahlen des Tages. Corey steigt die drei Stufen von der Veranda hinunter und geht, so wie jeden Morgen direkt nach dem Aufstehen in Richtung Strand. In der rechten Hand hält er einen Stock, der ihn beim Gehen unterstützt. Corey möchte auch heute die Ruhe der Morgenstunden für seinen Spaziergang nutzen. Als er den Strand erreicht, weht ihm eine frische Brise ins Gesicht, während er das Rauschen der Wellen hört. Er kann das Meersalz schmecken, als er mit der Zunge über seine Lippen streift.

Aber irgendetwas ist anders heute. Dieser Ort ist nicht derselbe wie noch am gestrigen Tag.

Die Flut hatte in der Nacht Tausende von Seesternen an den Strand gespült. Kilometerweit liegen kleine und größere, rot-orangefarbene Seesterne mitten im Sand.

Corey sieht ein paar Kinder in der Nähe. Immer wieder knien sie sich in den Sand, heben einen Seestern nach dem anderen auf, tragen diese ans Wasser und werfen sie sanft zurück ins Meer.

Nachdem Corey den Kindern einige Minuten verwundert zugeschaut hat, geht er auf ein kleines Mädchen der Gruppe zu. Sie muss etwa 8 Jahre alt sein und trägt ein grünes Kleid. Ihre schwarzen Haare sind zu einem Zopf gebunden und mit einer strahlend gelben Blüte verziert. Corey tippt der Kleinen auf die Schulter:

„Guten Morgen, darf ich dich fragen was du hier machst?“

Das Mädchen dreht sich um und schaut Corey mit ihren braunen Augen an. Sie hält einen der vielen Seesterne in der Hand und antwortet:

„Ich werfe die Seesterne ins Meer zurück. Jetzt ist doch Ebbe und die Sonne brennt heute so sehr. Wenn ich das nicht tue, dann vertrocknen sie doch alle und sterben bestimmt.“

Corey schaut erstaunt, zieht die linke Augenbraue nach oben und antwortet mit einem müden Grinsen:

„Aber Mädchen, ist dir eigentlich klar, dass hier zehntausende Seesterne liegen. Schau doch mal. Soweit das Auge reicht, sieht man rot-orangene Punkte am Strand. Die kannst du doch unmöglich alle retten! Es tut mir leid, aber du wirst damit keinen Unterschied machen. “

Das Mädchen hört ganz höflich zu. Dann schaut sie den Seestern auf ihrer Hand an, welcher kraftlos mit seinen fünf Armen zuckt. Sie streichelt ihn liebevoll, gibt ihm einen Kuss und wirft ihn mit aller Kraft zurück ins Meer. Sie schaut Corey an, lächelt und sagt voller Überzeugung:

„Für DIESEN Seestern hier macht es einen Unterschied.“

Darauf hin dreht sie sich um, setzt sich in den Sand und hebt einen weiteren der vielen tausend Seesterne auf.

Ich weiß nicht was Corey in diesem Moment dachte, aber für mich ist klar: Dieses kleine Mädchen ist ein großer Held. Konnte sie an diesem Tag alle Seesterne am Strand retten? Nein, natürlich nicht, aber sie fühlte sich für das verantwortlich, was an diesem Tag in ihrer kleinen Reichweite lag.

Müssen wir uns vielleicht auch manchmal zurück ins Meer der Möglichkeiten begeben?

Denn wenn wir dann wieder ganz bei uns angekommen, mit uns selbst im Reinen sind und in unserer Kraft stehen, dann fällt es uns auch leichter die gestrandeten Seesterne um uns herum zu sehen.

Und vielleicht ist ein „Naja… es geht mir eigentlich ganz gut… das passt schon!“ ja bereits ein Hinweis darauf, dass jemand aus deiner Umgebung gestrandet ist.

Vielleicht benötigt dieser Jemand ja auch gerade einen Helfer der ihn aufsammelt!?

Dann sammle diesen „Seestern“ auf und hilf ihm wieder da hin zu gelangen, wo er hingehört.

Ins Meer der Möglichkeiten, dort wo er wieder schwimmen und das Leben genießen kann.

Dort wo er wieder MEHR ist.

Jetzt fragst du dich vielleicht wie das gehen soll, weil du ja nicht am Strand wohnst 😉

Was wäre denn, wenn das ganz einfach sein kann?

Manchmal reicht es ja vielleicht schon, jemandem auf dem Weg zum Einkaufen ein Lächeln zu schenken.

Eine kurze Nachricht an einen Freund oder eine Freundin von dem/ der man lange nichts gehört hat.

Oder – Achtung halt dich fest – ein ganz klassischer Brief an einen Menschen aus deinem Leben. So richtig mit einem Stift auf Papier geschrieben und per Post verschickt. Das würde doch bestimmt für Erstaunen und Freude sorgen, oder?

Während du diese kleinen unscheinbaren Dinge für dich selbst und für andere tust, erinnere dich an das kleine Mädchen im grünen Kleid, mit der gelben Blüte im Haar.

Und dann stell dir eine Frage:

Bin ICH schon ein STERNEWERFER oder möchte ich JETZT ein STERNEWERFER werden?

Wir können uns immer entscheiden einen Unterschied zu machen. Einen Unterschied für uns selbst und für andere – jeden einzelnen Tag!

Und wenn du dich jetzt auch direkt selbst für kurze 10 Minuten ins MEER / MEHR begeben willst, dann probiere doch mal die wunderbar beruhigende und entspannende Ozean-Atmung aus.

Hier in meinem Video findest du eine Erklärung und Übung dazu:

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Anja

    Eine wunderbare Geschichte, die einen sehr zum Nachdenken anregt. Wenn viele Menschen die Einstellung dieses kleinen Mädchens übernehmen würden, könnte auf der Welt viel verändert werden…

    1. André

      Hallo Anja, freut mich sehr, dass dir die Geschichte gefallen hat. Du hast Recht, wir können alle viel von dem kleinen Mädchen lernen. GLG 🙏

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